Leben des Bruder Lorenz

Eine biographische Timeline zum Leben des Bruder Lorenz. Eine ausführlichere Darstellung finden Sie in den Untermenüs.

1635-40 – Umkehr und Emigration nach Paris

Während seiner Genesung entsteht in ihm der Wunsch, ein geistliches Leben zu führen. Er will sein Leben wegen seiner begangenen Sünden in Buße verbringen und schliesst sich dazu einem Eremiten an. Von innerer Unruhe getrieben, gibt er sein Vorhaben aber bald wieder auf.

Nicolas verlässt seine von Krieg und Seuchen geplagte Heimat und emigriert nach Paris. In diese Zeit dürfte auch ein kurzes Zwischenspiel als Lakai (Diener) beim königlichen Schatzmeister Gaspar de Fieubet fallen. Nicht ohne Humor berichtet er, dass er die Stelle aber bald wieder aufgab, weil er sich »wie ein Tollpatsch anstellte und alles zerbrach«.

Der Wunsch, ein geistliches Leben in einer Gemeinschaft zu führen, verdichtet sich. Er wendet sich an seinen Onkel Jean, der bereits seit sieben Jahren im Pariser Karmel als Laienbruder lebt und arbeitet.

Fresko Kuppel Kirche St Joseph des Carmes
Fresko Kuppel Kirche St Joseph des Carmes

1640 – Eintritt in den Pariser Karmel

Im Juni 1640 bittet Nicolas um die Aufnahme als Laienbruder im Pariser Karmel in der Rue de Vaugirard Nr. 70. Er durchläuft das zweimonatige Postulat, wird danach mit dem braunen Habit der Karmeliten eingekleidet und empfängt den Ordensnamen Laurent de la Résurrection (dt. Lorenz von der Auferstehung, engl. Lawrence of the Resurrection). Er kommt ins Noviziat und durchläuft die 2-jährige Ausbildungszeit im Orden.

Schon als Novize beginnt er mit einer Praxis, die für ihn später zum Kernvollzug des geistlichen Leben gehören wird. Diese »Übung der Gegenwart Gottes« besteht darin, sich mehr und mehr darin einzuüben, in der Gegenwart Gottes zu leben.

1642 – Profeß als Laienbruder

Bruder Lorenz feiert am Sonntag, den 17. August 1642 im Pariser Karmel seine Profeß, d.h. er legt seine Gelübde ab, mit denen er sich endgültig an den Orden bindet. Er ist nun Freré Laurent de la Resurrection OCD, Laienbruder im Teresianischen Karmel (OCD).

1642-52 – In einer dunklen Nacht

Er wird von seinem Prior für verschiedene Tätigkeiten eingesetzt, v.a. für die Arbeit in der Küche; aber auch als Bettelbruder, Messdiener, für handwerkliche Arbeiten im Kloster, Einkäufe und Botengänge in der Stadt. Für die Arbeit in der Küche verspürt er zwar die allergrößte natürliche Abneigung, aber er nimmt sie aus Liebe zu Gott im Gehorsam an.

Lorenz tritt nun in eine lange dunkle Nacht, in der alle Sicherheiten zu bröckeln beginnen. In den letzten 4 Jahren dieser insgesamt 10 Jahre andauernden Lebenskrise ist er sich sicher, verdammt zu sein. Und niemand hätte ihn vom Gegenteil überzeugen können.

1652 – Wandel in der Gegenwart Gottes

Um 1652 endet seine 10-jährige Lebenskrise, die ihn innerlich für Gott frei gemacht hat und Lorenz wird innerlich verwandelt. Er findet »die Ruhe und den Frieden der Seele« in der Gegenwart Gottes, die ihn nie mehr verlässt.

Onkel Jean alias Bruder Nicolas von der Empfängnis stirbt im Februar 1652 im Kloster seines Neffen in Paris.

Lorenz bekommt von seinem Prior das Amt des Kochs übertragen und ist nun Hauptverantwortlicher für die Klosterküche.

1665-66 - Reisen und Versetzung in die Flickschusterei

Lorenz wird 1665 von seinem Prior auf eine Reise in die Auverne geschickt, um für das Kloster Weineinkäufe zu besorgen. Neuerliche Reise zum Weineinkauf im Jahr 1666, dieses Mal ins Burgund.

Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich. Er bekommt ein schmerzhaftes Geschwür am Bein und damit verbundenes Hüftleiden, das er 25 Jahre lang - bis ans Ende seines Lebens - tragen wird.

Sein Prior versetzt ihn deshalb von der Küche in die Flickschusterei. Dort übt er eine vorwiegend sitzende Tätigkeit aus, die ihm sein Hüftleiden erträglicher macht. Er repariert dort die Sandalen seiner (zeitweise bis zu 100) Mitbrüder.

1666 - Erste Begegnung mit Abbé Joseph de Beaufort

Am 12. August 1666 kommt es zur ersten Begegnung mit dem damals erst 31-jährigen Weltpriester (»Abbé«) Joseph de Beaufort, der später sein Biograph sein wird. Beaufort hält vier Gespräche mit ihm schriftlich fest, die er später in seinem zweiten Buch über Bruder Lorenz herausgeben wird (Le Moeurs, 1694).

1666-91 - Heiligmäßiger Ruf

In den letzten 25 Jahren seines Lebens verbreitet sich um Lorenz ein heiligmäßiger Ruf. Er wird über sein Kloster hinaus bekannt. Ordensleute und Laienchristen suchen bei ihm geistlichen Rat. Ein namentlich nicht erwähnter Bischof – wahrscheinlich de Noailles, später Erzbischof von Paris – besucht ihn, und der berühmte Fenelon, später Bischof von Cambrai, sitzt am Krankenbett des bereits sterbenskranken Bruders, um später von ihm zu schreiben: »Hätte man denn nicht von Bruder Lorenz lernen können? Lorenz war seiner Natur nach grob, aber die Gnade machte in sanft. Diese Mischung zeigte Gott in ihm und machte ihn liebenswürdig.«

1691 - Tod des Bruder Lorenz

Bruder Lorenz stirbt nach dreimaliger schwerer Krankheit am Montag, den 12. Februar 1691 im Kreise seiner Mitbrüder, ohne Agonie und im Frieden seiner Seele mit Gott an einer Rippenfellentzündung. Am Tag darauf wird er begraben.

1692 - »Maximes Spirituelles« erscheint in Paris

Das Buch »Maximes Spirituelles« mit Texten von und über Bruder Lorenz erscheint ein Jahr nach seinem Tod. Als anonymer Herausgeber wird traditionell Joseph de Beaufort angenommen, mittlerweile Generalvikar des Bischofs von Chalons, Luise-Antoine de Noailles, des späteren Erzbischofs von Paris. Das Buch enthält eine biographische Lobrede (frz. Eloge) zum Bruder Lorenz, seine Geistlichen Weisungen in 7 Kapiteln sowie 16 Briefe, die Lorenz an 12 Ordensfrauen, 3 Laienchristinnen und einen Priester geschrieben hat.

1694 - »Les Moeurs« erscheint in Chalons

Das zweite Buch mit dem Titel »Les Moeurs« wird, zunächst anonym, von Joseph de Beaufort herausgegeben. Es enthält einen Bericht über die Persönlichkeit des Bruders, vier Aufzeichnung zu Gesprächen mit Bruder Lorenz aus den Jahren 1666/67, sowie eine kleinere Sammlung von Texten, die Beaufort aus den Briefen von Bruder Lorenz zusammengestellt hat.

Allen folgenden Ausgaben und Übersetzungen liegt der Grundtext dieser beiden Erstausgaben aus 1692 und 1694 zugrunde. In seiner Heimat Frankreich gerät Lorenz bis ins 20. Jhd. in Vergessenheit, weil man ihn zu unrecht in die Quietismuskrise verwickelt sah.

Apostel der Gegenwart Gottes

Im deutsch- und englischsprachigen Raum wird er in zahlreichen Ausgaben und Übersetzungen verlegt und später rund um den Globus bekannt. Freunde und Anhänger des Bruder Lorenz finden sich heute in den verschiedensten christlichen Konfessionen und Denominationen. Selbst Anhänger nicht-christlicher Religionen schätzen ihn als Lehrer des geistlichen Lebens. Sein Werk wurde in mind. 13 Sprachen übersetzt und zählt heute zu den Klassikern christlicher Spiritualität mit interkonfessioneller Ausstrahlung.



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